Simplicity is the most complex Thing today.

Der Norweger sticht schon rein optisch hervor. Sich in Schablonen pressen zu lassen, ist offensichtlich so gar nicht sein Ding. Er mag es, anzuecken und übliche Denkweisen zu revolutionieren. Wohl kaum jemand, der die (Wirtschafts-) Welt nach einem Vortrag von Anders Indset noch genauso sieht wie vorher.

„Simplicity is the most complex thing today“ ist einer dieser Sätze, mit denen er die Gehirne seiner Zuhörer unter Garantie entzündet. Wie jetzt? Einfach oder komplex?
„Ich möchte mit meiner Arbeit als Wirtschaftsphilosoph nicht andere lehren, was sie denken sollen. Ich möchte aber zu neuen Sichtweisen und Denkansätzen auf dem Weg in Richtung unserer Ziele anregen“, sagt er gleich zu Anfang und ruft damit zu kritischem Hinterfragen auf. Nichts muss so sein wie es scheint, es kann immer auch ganz anders sein. Schließlich baut sich jeder auf Basis seiner Erfahrungen und Werte sein eigenes Konstrukt von der Welt.

Das einzig Beständige bleibt der Wandel

Und doch, ein paar Dinge sieht er sehr deutlich kommen und ist, so wie ein Philosoph es eben sein kann, überzeugt davon. Eine seiner Thesen lautet, dass der Wandel allgegenwärtig ist und wir lernen müssten, die fortwährende Veränderung zu genießen. Wir müssten lernen, neugierig zu bleiben und uns von dem verstaubten Verständnis zu befreien, dass Weisheit etwas wäre, das wir irgendwann bekommen und dann zeitlebens haben. Im Gegenteil gelte es neugierig zu bleiben und in Unternehmen ein Umfeld zu schaffen, dass die Suche nach Wissen unterstützt.

Er spricht in diesem Zusammenhang von „wildem Wissen“, „wilden“ Ideen und einer ewigen Suche nach einer anderen, neuen Sicht auf die Welt. Sein neues Buch trägt den Titel „“Wild Knowledge – Outthink the Revolution“.

Der selbst ernannte Experte ist tot

Zwar hätten wir ein immer umfassenderes Wissen von der Gesellschaft, doch würde uns allgemein die Erfahrung im Umgang damit fehlen. Wir müssten erkennen, dass wir nicht alles wissen und das eine Meinungsfindung, die sich aufgrund der in den Sozialen Medien verfügbaren Informationen begründet, immer nur unser eigenes Wertesystem bedient. Der digitale Wandel ist für ihn eine Never-Ending-Story, die nicht an einem bestimmten Punkt anhalten wird. Er sagt auch, dass es nicht die Technologie ist, die Branchen in den Abgrund stürzt. Schließlich machte der Mensch die Technologie. „Die Zukunft wird improvisiert und gleichzeitig von mehr Stabilität und mehr Chaos geprägt sein“, prophezeit er, ob man das nun mögen würde oder nicht. In Zukunft würde es eine Wirtschaft der Aufgaben und Projekte geben, vorgegebene Jobs würden zunehmend verschwinden. Alles kontrollieren zu wollen sollten wir uns abgewöhnen, wenn wir nicht wahnsinnig werden wollen.

Die Zeit zum Denken

„Ich habe keine Zeit“, sagt der Manager. „Dann hol sie dir zurück“, empfiehlt Anders Indset. Es würde sich lohnen, die verloren gegangene Kunst des Denkens wieder zum Leben zu erwecken. Aber: um Dinge kritisch zu hinterfragen brauchten wir Zeit. „Zeit zum Denken ist genauso wichtig, wie einen Marathon zu laufen oder Kniebeugen zu machen. Beides will geübt sein“, so Indset.

Wer sein Denken auf Trab bringen will und einmal wieder eine neue Sichtweise auf die Dinge nötig hat, sollte Anders Indset einbestellen, einen der sicherlich eindrucksvollsten Wirtschaftsphilosophen unserer Zeit.